Lesen: Sie erhalten Zugang zum Tusknet Concept (65.000 Wörter) und zum SpiritBook (210.000 Wörter).
Tusknet: Eine neue digitale Kultur des Vertrauens
Alles, was hier entsteht, folgt einem gemeinsamen kreativen Prozess, zu dem ich dich herzlich einlade. Ich träume davon, dass du am Ende ein anderer bist, jemand, der zu diesem Prozess beiträgt. Was hier entsteht, ist eine Plattform und eine neue Form des Seins im digitalen Raum. Ein Raum, in dem wir uns selbst und einander begegnen können.
Wir stehen an einem Wendepunkt. Der technologische Fortschritt hat uns durch Web 1.0 die Ära statischer Webseiten und Web 2.0 die Ära sozialer Netzwerke geführt. Doch dieser Weg hat uns auch mit Herausforderungen konfrontiert: fehlende Kontrolle über unsere eigenen Daten, ein Mangel an echter digitaler Identität und eine Kultur, die auf Algorithmen basiert, anstatt auf echten Begegnungen. Web 3.0 eröffnet neue Möglichkeiten. Es ist ein Wandel hin zu einer dezentralen, nutzerzentrierten digitalen Welt, in der Vertrauen, Transparenz und Souveränität über unsere eigenen Daten wiederhergestellt werden können.
Tusk ist eine Antwort auf diese Transformation. Es ist eine Plattform, die die Kraft der menschlichen Psyche mit der neuen digitalen Vertrauenskultur verbindet. Sie gibt uns Werkzeuge an die Hand, um digital zu existieren und wirklich zu interagieren ohne die Kontrolle über uns selbst zu verlieren. Im Kern von Tusk steht die Frage:
Wie können wir digitale Technologien nutzen, um echte, tiefgehende Verbindungen zu schaffen? Wie können wir den Raum zwischen uns mit Bedeutung füllen?
Diese Plattform basiert auf der Überzeugung, dass Menschen mehr sind als Datenpunkte und Algorithmen. Jeder Mensch trägt seine eigene Geschichte, seine eigene Wahrheit in sich, eine Wahrheit die gehört werden will.
Tusk ist eine Einladung, diese Stimmen zu hören. Es ist eine Einladung, eine neue Form der digitalen Gemeinschaft zu gestalten, die mehr als nur auf Oberflächlichkeit beruht, sondern auf echter, prozesshafter Begegnung.
Ich sehe uns mit der realen Möglichkeit konfrontiert, dass unser gegenwärtiges System an einer Grenze steht. Die globale Krise ob ökologisch, sozial oder psychologisch zwingt uns dazu, unser Verständnis von Gemeinschaft und Kommunikation neu zu denken. Es ist Zeit für eine Plattform, die verbindet und die Menschen befähigt. Eine Plattform, die uns hilft, zu konsumieren und gemeinsam neu zu gestalten.
Tusk folgt der Heldenreise als Konzept und als eine lebendige Erfahrung. Die Reise beginnt mit der Erkenntnis, dass wir uns verändern müssen. Sie führt uns durch Herausforderungen, durch Widerstände und durch Momente des Zweifels. Aber sie führt uns auch zu einem neuen Verständnis von uns selbst und der Welt wie sie ist.
Tusk ist ein Experiment. Eine Bewegung. Ein offener Raum für alle, die mehr als nur Teil des digitalen Wandels sein wollen, sondern ihn aktiv mit gestalten möchten. Und diese Reise beginnt hier mit dir.
Tusk ist mehr als eine Plattform es ist eine Einladung zu einer Reise.
Jede große Veränderung beginnt mit einem Ruf. Ein Moment, in dem wir spüren: Es will sich etwas verändern. Vielleicht hast du diese Ahnung schon lange. Die Welt, wie sie sich digital entwickelt hat, fühlt sich falsch an. Wir sind immer vernetzter, aber oft isolierter. Wir haben Zugang zu unendlichem Wissen, aber echte Gespräche werden seltener. Wir scrollen, konsumieren und kommentieren, doch wo bleibt die echte Begegnung?
Tusk lädt dich ein, das zu verändern. Es ist eine Plattform, die auf Deep Democracy, Prozessarbeit basiert Methoden, die darauf abzielen, alle Stimmen in uns und um uns herum zu hören. Jede Perspektive hat Wert. Jeder Konflikt birgt eine Möglichkeit zur Transformation. Jede Begegnung kann eine Tür sein, die uns weiterführt.
Warum Tusk?
In einer Welt, die in immer tiefere Spaltungen gerät, seien sie politisch, sozial oder digital, braucht es neue Wege. Tusk ist dieser neue Weg. Es ist ein Raum, der von Grund auf für Zusammenarbeit und echte menschliche Entwicklung entworfen wird. Die erste Plattform, die uns mehr als nur als Konsumenten sieht. Sondern eine Umgebung, die unsere tiefsten Potenziale fördert, durch offene, ehrliche, geschützte Räume für Austausch und gemeinsames Denken.
Vom Homo Oeconomicus zum Homo Civilis. Die heutigen wirtschaftlichen Strukturen beruhen auf einem Menschenbild, das vor allem die individuellen Interessen betont. Doch in uns existiert auch eine andere Seite, eine die nach Zugehörigkeit, Sinn und Mitgestaltung strebt. Tusk ist die Plattform für den Homo Civilis, den zivilen Menschen, der seine Verantwortung in der Welt erkennt und sich aktiv einbringt.
Diese Vision wurzelt in Erfahrungen aus der Prozessarbeit, in der die tiefsten Konflikte als Quellen von Wachstum verstanden werden. Tusk ist inspiriert von diesen Prinzipien: Alle Stimmen müssen gehört werden, damit echte Lösungen entstehen können. Wir nehmen teil und wir gestalten mit.
TuskNet nutzt persönliche Datenspeicher, die es ermöglichen, dass du allein entscheidest, wer Zugriff auf deine Informationen hat. Deine Identität gehört dir. Deine Daten gehören dir. Deine Geschichte gehört dir.
Wie funktioniert Tusk?
Der Weg. Die Methoden der Prozessarbeit und Deep Democracy helfen uns, Konflikte zu verstehen, mit verschiedenen Stimmen zu arbeiten und den digitalen Raum bewusst zu gestalten. Tusk ist die Vision einer neuen digitalen Welt, ein Raum der durch bewusste Begegnung entsteht. Doch bevor wir diesen Raum gestalten können, beginnt eine tiefere Reise: die Reise nach innen.
Bist du bereit für den nächsten Schritt?
Brücke und Einleitung zu SpiritBook
Jede große Veränderung beginnt mit einer Entscheidung. Bist du bereit, einen neuen digitalen Raum mitzugestalten? Bist du bereit, an einem Netzwerk teilzunehmen, das deine Angst wahrnimmt und dich zu echten Begegnungen führt, die dich zu einem neuen Vertrauen zu dir und zur Welt bringen?
Dann beginnt die Reise hier. Willkommen bei TuskNet.
Hier setzt SpiritBook an. Es ist mehr als ein Buch es ist eine auto-sozial-biografische Bildungsroman. Dein Leben, deine Erfahrungen, deine Fragen sind der Schlüssel, um die digitale Zukunft mitzugestalten. Tusk gibt uns die Plattform, SpiritBook gibt uns den Prozess, um unsere Rolle darin zu erkennen. TuskNet ist das Netzwerk, das aus allen, die sich im SpiritBook zeigen, eine Verbindung schafft.
Warum sind wir hier?
Jede Reise beginnt mit einer Unruhe, einem Gefühl, dass etwas fehlt. Vielleicht spürst du es in dir eine Ahnung, dass du nach einer anderen Art des Miteinanders suchst. Vielleicht hast du es in der Welt gesehen in einer Gesellschaft, die oft schneller urteilt als zuhört.
SpiritBook: Der Brunnen (30% des Kapitels)

Es ist 2024 und ich verlasse die NSDAP. Der Satz öffnet eine Tür zur Gegenwart in mir, und ich schreibe darüber. Erst gestern entschloss ich mich dazu, Menschen nahe zu sein. Ich entschloss mich bewusst, dass ich Intimität zulassen möchte.
Ich kann das Eine nicht ohne das Andere aufgeben. Es bedeutet, meine Kindheit hinter mir zu lassen und all das, an das wir glaubten, wenn wir dazugehören wollten.
Plötzlich erscheinen so viele Freunde, die heute in finanzieller und beruflicher Hinsicht sehr erfolgreich sind und dennoch unverändert in der Angst von einst leben.
Diese Angst habe ich mir sehr lange angesehen. Sie begegnete mir 2004 mit einer Frau aus China, die als Professorin für Volkswirtschaft in London arbeitete. Sie ist immer noch Kommunistin und glaubt an die chinesische Partei. Sie war von Kindesbeinen an darauf ausgerichtet worden, Großes für die Partei zu leisten. Schon früh nach ihrem Studium leitete sie Staatsbetriebe, verwaltete Milliarden und investierte sie.
Für Großes bestimmt war auch mein Onkel, und ich schlage einen Bogen von 1930 bis 2070. Die Vergangenheit beinhaltet auch die Zukunft. Diese Jahre vor meiner Geburt und nun die Jahre, die noch vor mir liegen, sollte ich denn so alt werden. Warum nicht?
Ich fühle mich wie auf einem Meer. Vielleicht sogar einem Ozean oder dem Atlantik. Kleine Wellen tragen mich ruhig. Ich sehe mich selbst, bis zur Brust im Wasser, als ob ich stehen würde. Meine Arme weit ausgebreitet liegen auf dem Wasser, bewegen sich mit den Wellen. Ich habe keine Angst, denn von Horizont bis Horizont sehe ich kein Land. Ich erlebe gerade sehr viel Sicherheit in diesem Bild.
Ich erahne einen Leser und würde gerne "Du" schreiben, das macht Dich real, und ich sehe in Deine Augen. Du stirbst nicht, wenn ich Dich persönlich anspreche. Ganz im Gegenteil, Du bist, es gibt Dich, das Gegenüber. Es waren immer die Toten. Adolf Hitler als die Liebe ihres Lebens. Schreibe ich das, dann erscheint meine verbitterte Großmutter. Soll ich Dir Verbitterung (https://www.youtube.com/watch?v=a6_OGoE8pGc) beschreiben?
Ich weiß sehr wenig. Schreibe ich das nun, dann lande ich in einem Brunnen. So einem klassischen, wie in den Märchen, mit einer Steinmauer, die oben auf der Erde zu sehen ist und die tatsächlich bis ganz tief unten reicht.
Ich habe das Gefühl, meine Sprache verändert sich. Ich sehe den Brunnen gerade von außen, kann gar nicht rein schauen, weil die Mauer zu hoch ist. Dann taucht eine Frage auf, die mir Ralf Müller, ein Therapeut, 2003 in München stellte: "Was brauchen Sie jetzt?" Diese Frage macht mich heute noch durcheinander.
Ich sitze mit dieser Frage im Brunnen drin. Ich sitze auf meinem Hintern, habe die Beine angezogen und meine Arme darum gelegt. Ich habe eine kurze Lederhose an und ein Palomino-T-Shirt. Ich bin so um die 8 Jahre alt.
Ich sinke in mir zusammen und merke, wie weit weg ich mir gerade bin, und tauche oben am Brunnenrand wieder auf. Ich bücke mich jetzt über den Rand und schaue runter in den Brunnen und sehe etwas. Ich sehe erstmal nichts, es ist dunkel, und ich wundere mich, wer da am Rand steht.
Da ist jemand, der nicht über den Rand sehen kann, und jemand, der sich über den Rand lehnen kann und runter schaut. Auch der, der unten sitzt, den gibt es noch. Vielleicht ist das alles, was gerade von meiner Geschichte existiert, und ich denke an Franz Kafka, dem ich in Prag begegnete.
Es ist er, der nun über den Rand des Brunnens schaut. Ich begegnete ihm im Dezember 2008 in seiner Heimatstadt. Im jüdischen Viertel der Stadt, seinem Museum und auch in den Augen der Menschen. Jemand, der schreibt, weil er nicht anders kann, und Rainer Maria Rilke taucht nun auch auf. Beide stehen am Rand neben mir. Sie beide schauen in den Brunnen. Ich sehe sie weder von unten, noch sehe ich selbst in den Brunnen hinein. Ich weiß sehr wenig von den beiden Männern. Sie erscheinen mir beide sehr dünn und wackelig. Vielleicht weil die beiden ja schon längst tot sind.
2024 und ich verlasse gerade das Institut für prozessorientierte Psychologie, eine Ideologie der Welt, die ich die letzten 13 Jahre studierte. Nicht ganz, es war die Ideologie meiner Wahl, auch das nicht. Ich habe sie nie wirklich studiert. Es hatte immer etwas von Überleben, denke ich an die 1000 Stunden in Seminaren und Gruppen, seitdem ich dem Deep Democracy Institute 2011 beitrat oder besser gesagt in ihm hängen blieb, bis mein Geld alle war.
2024 und ich verlasse gerade die katholische Kirche. Ich habe es noch nicht getan, aber habe es mir vorgenommen. Nicht, dass ich dagegen bin, gar nicht. Es war die Ersatzdroge meiner Oma, nachdem sie die NSDAP von heute auf morgen verlassen hatte. Sie hat die Partei nie verlassen.
Ist je ein Deutscher explizit aus der Partei ausgetreten? Frage ich mich heute. Müssten wir, die Erben, das nicht nachholen? Jeder der Ahnen in der Partei hat, explizit und stellvertretend für die Großeltern austreten.
Ich denke an einen Autor, den ich im Sommersemester 2024 als Teil der jährlichen Poetikvorlesung hörte. Ich habe den Namen schon vergessen. Es war so ein normaler deutscher Name, dass ich Angst habe, Müller, Meier, Lehmann zu verletzen, wenn ich ihm diesen Namen gebe.
Er war gesichtslos und trank gerne. Man sah es seinem Gesicht schon an. Vielleicht versuchte er, seinem Image als Autor dadurch ein wenig Farbe zu geben. Als er hier war, streifte er durch die Kneipen Heidelbergs: "Ihr könnt mich gerne ansprechen, wenn ihr mir begegnet." Er schlug mir vor, Hitlers: "Mein Kampf" zu lesen. Ich bin jetzt fast 5 Jahre hier in der Stadt und besuchte ein oder zweimal eine Gaststätte, aber rund 200 Vorträge, Lesungen und Diskussionen. Als Heranwachsender wollte ich dem Dorf und meiner Familie mit Alkohol entkommen. Trank freitags, war krank bis Sonntag und ging wieder arbeiten. Im Nachhinein halte ich den Autoren nun für dumm und einfältig, der einfach nur Sprache studierte, und seine Bücher sind Therapie. Anstatt an sich zu arbeiten, verbreitet er sich wie eine Plage. Ich liebe diese Kritik, Wochen später.
Ich sehe mich wieder auf dem Ozean, mein Oberkörper schaut raus und drumherum nur Wasser, kein Land in Sicht, wie gut.
Vielleicht schaffte der Alkohol diesen Zustand bei mir und ich lande beim Löwen und der Maus. "Silent Books", ein Workshop als Teil des zweiten komparativen Tags 2024. Ich schaute mir nur die Farben an, Linien durchflossen die Bilder, aber ich habe keinerlei Geschichte oder Zusammenhang erkannt. Ich blätterte erst einmal durch und dann noch einmal von vorne, langsamer, Seite für Seite, und legte das Bilderbuch weg.
Als der Professor sagte: "Der Löwe jagt die Maus", war ich verblüfft über die Feststellung? Festlegung? Ich schaute auf das Titelbild und sah beide Tiere auf Augenhöhe. Die Pupillen von Löwe und Maus waren gleich groß. Mir war nicht einmal das Wort "Tier" in den Sinn gekommen, als ich es durchblätterte.
Vielleicht die Qualität eines guten "Silent Books", dass die Worte komplett fehlen, nicht nur als Solches auf den Seiten, nein, auch im Bewusstsein. Vielleicht war ich so 1 bis 2 Jahre alt. "Löwe" und "Maus" hatte der Professor, der Mann vorne gesagt. Sie waren zu zweit, eine Frau und ein Mann saßen vorne und unterhielten uns. Vielleicht ist das das falsche Wort. Unterhielten uns. Sie unterhielten sich mit uns. Ja, es war mehr eine Unterhaltung, wobei einige im Raum sehr still waren, aber auch da gab es sichtbare Regungen, die ganz ohne Worte sehr viel ausdrückten, schaute man sich sie genauer an.
Ich hatte das alles in meiner letzten Glaubensgemeinschaft gelernt. In der Deep Democracy schauen wir auf alles. Fakten machen nur einen kleinen Teil der Realität aus. Viel wichtiger ist das, was wir träumen.
In dem Moment sitzt da jemand, wohl ich mit 8 Jahren im Brunnen, und schaut kurz hoch. Hört auf zu schmollen, traurig zu sein? Es ist mir noch ein Rätsel, denn ich stehe immer noch am Brunnen und sehe nur diese zwei älteren, klapprigen Herren am Rande des Brunnens stehen. Nun gesellt sich ein anderer dazu. Jemand, der gerade gestorben ist, Arnie Mindell, der Entwickler der Prozessarbeit. Viele Namen gab er der Arbeit und schrieb 23 Bücher zum Thema. Seine Frau Amy, oder sagt man nun seine Witwe, machte einen Film über sein Leben, und was mich am meisten berührte, war sein Umgang mit dem Zustand, bevor das Buch entsteht.
Dass er die Welt fragt, was er schreiben soll. Und dass die Erkenntnis, die Essenz, die nach der Auflösung des Konflikts entsteht, bei ihm Weinen und Lachen hervorbringt.
Der Konflikt ist der Moment an der Grenze, die später in meinen Bildern noch öfter zum Thema wird. Diese Grenze zu etwas Neuem, die Grenze als Tür, um etwas Altes zurückzulassen. Arnie sagte, dass wir immer im Fluss sind. Dass wir 1, 8, 20, 50 und auch 100 Jahre alt sind, aber auch nichts davon, betrachtet man das Ganze im Verhältnis zur Weltgeschichte. "What a fuzz we make…"
Herr Hegel taucht oben am Brunnen auf und auch Otto Brink, einer meiner Lehrer und Therapeuten aus dem Odenwald.
Hier berührt mich der Name, und ich sitze vor dem 80 Jahre alten Mann in seinem Haus in Graßellenbach. "Du bist nicht krank, du suchst einfach nur", sagte er zu mir, und ein Jahr später kam mir seine Feststellung ganz gelegen, als ich in Holland vor Gericht stand. Mein letzter Arbeitgeber, eine internationale Großbank, wollte mich wieder loswerden, als ich nicht so handelte, wie sie das erwartet hatten. Den Gefallen tat ich ihr nicht und blieb, übernahm die Verantwortung, die mir übertragen wurde. Nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatten, aber ich machte es so, wie ich das nun nach 16 Jahren in dem Umfeld für richtig hielt.
Mit dem letzten Satz bin ich wieder alleine draußen auf dem Ozean. Wunderbar getragen von einem Bewusstsein zusammen mit dem ganzen Planeten. Franz und Rainer Maria waren ja ziemlich auf ihre Worte bezogen
Denke ich an ihr Privatleben, dann sehe ich Brüder in ihnen. Der im Brunnen schaut im Moment hoch und lächelt ein wenig. Ich denke an Vincent van Gogh und seinen Bruder. Als ich in Amsterdam lebte, las ich die Briefe der Brüder. Nicht viel davon, denn es berührte mich zu sehr, aber ich malte viel in der Zeit.
Ich versuchte, die Zeit zu erfassen, indem ich ein 625-Wochen-Bild malte. Auf einem riesigen Canvas hatte ich angefangen, jede Woche ein kleines Rechteck auszumalen. Jeden Tag entstand eine andere Szene, und ich versuchte so, mich am Leben zu halten.
Ständig drohte der Angriff der Alliierten, besonders vor den Soldaten aus den USA hatten wir große Angst. Ihre Übermacht begleitete mich und begegnete mir immer wieder in den verschiedenen Banken. Rund 20 Jahre war ich in der Ideologie des Kapitalismus, Geldes und der Gier aufgewachsen, bis ich diese Welt 2014 zurücklassen konnte. Mit dem anderen Bein stand ich bereits seit drei Jahren im Deep Democracy Institut. Es war nie Arbeit, die mich störte, ganz im Gegenteil. Umso mehr Erfahrung ich gesammelt hatte, desto besser kannte ich mich aus, umso weniger tat ich. Denn die Prozesse der Veränderung dauerten Jahre. So war es auch bei der ING in Amsterdam gewesen. Vier Jahre, um das Schiff auf einen sicheren Kurs zu bringen.
Ich bin nun im Ozean und sehe in der Ferne Schiffe vorbeifahren. Plötzlich darf ich groß sein. Groß sein bedeutet nicht, dass es einen Knall macht und alles vorbei ist.
Die Bombe fiel durch das Dach, das Zimmer meiner Großeltern in die Küche und dann durch den Fußboden in den Keller.
Der Junge im Brunnen zuckt zusammen. Das Innere des Brunnens wird von Blitzen erhellt und er hört sie einschlagen, wieder einmal kommen sie. In den nächsten Tagen wird das Haus wieder Kopf stehen und alle drehen durch. Alle denken an die Toten, und um ihn herum Steine des Brunnens, der keiner ist. Einen Turm nach unten gebaut und oben stehen die Männer und schauen runter.
Vielleicht sind es die, die durch ihre Arbeit Türme in der Welt gebaut haben. Türme, die von vielen Menschen gesehen werden. Hegel, Heidegger und Karl Mannheim stehen daneben, drängen, wollen nun in den Brunnen sehen. Carl Jaspers und mit Hannah Arendt die erste Frau am Brunnenrand. Für mich ist kaum noch Platz, aber ich sehe eh nicht über den Rand. Schaue mir die Hinterteile der Menschen an, und Hannah sieht aus wie eine schönere Version meiner Oma.
Ich frage mich, ob ich eine Intention für das, was vor mir liegt, für das Buch, brauche.
Intention: "Absichten oder Intentionen sind mentale Zustände, in denen sich der Handelnde auf eine bestimmte Handlung festlegt. Den Plan zu haben, morgen den Zoo zu besuchen, ist ein Beispiel für eine Absicht. Der Handlungsplan ist der Inhalt der Absicht, während die Festlegung die Einstellung zu diesem Inhalt ist."
Der Plan, ein Buch zu schreiben, ist eine Absicht. Dass ich morgens und abends schreibe, ist dann der Inhalt der Absicht. Die Festlegung, die Einstellung oder Haltung zum Inhalt.
Haltung: Als innere Haltung bezeichnet die Psychologie die Einstellung, mit der ein Individuum auf Geschehnisse, bestimmte Gruppen von Menschen, Objekte und Situationen reagiert und wie es diese bewertet. Diese innere Haltung drückt sich aus in Überzeugungen, Emotionen und Verhalten.
Ich spreche mit Karl Mannheim und suche verzweifelt nach seinem Bild für die Haltung, die einer sozial freischwebenden Intelligenz.
Mir begegnen plötzlich viele Freunde, die noch Mitglieder der NSDAP sind, nicht, dass sie es heute wären, aber ihre Haltung und die Codierung ihrer DNA ist 1:1 von den Großeltern übernommen.
Der Junge im Brunnen rüttelt sich, er scheint ein wenig freier, lockerer. Da sind sogar Tendenzen, dass er aufstehen will. Nicht mehr einer Ideologie verfallen müssen, um dazu zugehören.
Die sozial freischwebende Intelligenz ist Karl Mannheims Idee einer Haltung zum Leben. Ich entdeckte sie bei Hannah Arendt, die sich traute, sie zu leben. Gleichzeitig frage ich mich immer wieder, ob sie das nur konnte, weil es Heinrich, ihren Mann, in einer sehr wichtigen Rolle in ihrem Leben gab.
Intelligenz: Ist die kognitive bzw. geistige Leistungsfähigkeit bei Menschen und zum Teil auch Tieren, speziell im Problemlösen. Der Begriff umfasst die Gesamtheit unterschiedlich ausgeprägter kognitiver Fähigkeiten zur Lösung eines logischen, sprachlichen, mathematischen oder sinnorientierten Problems.
Frei schwebende Intelligenz, und ich komme nicht weiter.
Kritiker tauchen auf. Warum ich schreibe. Was ich da mache mit meiner Zeit. Die Szene am Brunnen scheint nicht mehr die Vorstellung im Kopf zu sein, sondern etwas, das nun in meinem Herzen ist.
Ich schaue mir ein Bild an, das im Abschlusskonzert des Universitätsorchesters entstand.
Sie spielten ein Stück von Johannes Brahms. Die Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90 berührte mich sehr, und ich ging auch zum zweiten Konzert. Am zweiten Abend wollte ich dem, was ich fühle, einen Ausdruck geben und malte. Es ist das 40. Bild geworden, das im Sommersemester 2024 entstand, und ich frage mich, ob ich damit beginnen soll.
Die Szene am Brunnen wird plötzlich zu diesem Bild. Wie ihr seht, gibt es viele Menschen im Bild. Ich zögere ein wenig. Hört ihr das Stück? Ich höre jetzt Brahms.
Gleich nach der ersten Minute verändert sich mein "Mich". Mich verändern, und ich beziehe mich auf die Szene am Brunnen, die jetzt von der Musik in Einzelteile zerlegt wird. Meine Augen suchen Halt im Bild, doch mein Herz wird von der Musik mitgerissen.
Alles zerfällt, die Welt zerlegt sich selbst, und ich bekomme Angst. Ich stoppe die Musik, und mein Kopf tut weh. Ich sinke wieder auf meinem Platz zusammen. Die Szene am Brunnen wandert vom Herz in den Kopf und droht mir. Bedroht mich am neuen Morgen. Zu viele Menschen, und allen will ich zuhören. Der Junge im Brunnen sitzt verkrampft auf seinem Platz, und als ob es ihm kalt wäre, hält er seine nackten Beine umschlungen.
Ich mache die Musik wieder an und fühle sofort mein Herz, nun kommen andere innere Bilder. Ich möchte wieder ausschalten, aber bleibe bei der Musik und schreibe weiter. Ein Teil von mir ist nicht mehr da, die Finger werden immer schneller. So wie ich malte, schreibe ich jetzt hier an dich, und es ist das Herz, das sich nun nach dir sehnt. Du bist mehr als nur der Leser. Hinter dir entdecke ich ein ganzes Universum, und endlich kann ich alles das, was uns so sehr begrenzt, zurücklassen.
All das, was uns davon abhält, Probleme anzugehen und aufzulösen.
